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Auf dem Weg zur EM Jug Kombi

Interview
Auf dem Flug zur Europameisterschaft Jugend Kombination hatte die sächsische Jugendwartin Jana Otto die Möglichkeit ein Interview mit den Dresdnern Rami Schehimi und Lilli Hils zu führen.
Zum Abschluss eurer Jugendzeit im Tanzsport, zieht doch bitte mal ein Fazit!
Wie waren die vergangenen Jahre so, was war toll?
Rami und Lilli: Als wir damals zusammen kamen, haben es uns nur sehr wenige Leute zugetraut, zusammen erfolgreich zu werden. Als dann nach nur einem halben Jahr die ersten Erfolge, wie der 3.Platz beim Deutschlandpokal der Junioren I B Standard kamen, waren wir uns sicher, tänzerisch zusammen zugehören. Aber auch die letzten beiden Jahre in der Jugend, verbunden mit dem Clubwechsel zum TSZ Dresden, waren für uns sehr positiv. Wir haben uns tänzerisch extrem weiter entwickelt.
Was waren eure größten Erfolge?
Rami und Lilli: Als wir nach einigen verlorenen Turnieren 2005 den Deutschlandpokal der Junioren I B Standard gewonnen hatten. Aber auch die Deutsche Meisterschaft Junioren II B Kombination sowie alle Finalteilnahmen bei Deutschen Meisterschaften. Natürlich auch, dass wir Deutschland bei Europa- und Weltmeisterschaften vertreten durften.
Was habt ihr vermisst?
Rami und Lilli: Zu früheren Zeiten gab es immer mehrere sehr gute Paare im eigenen Landesverband, die dann zum Beispiel bei Landesmeisterschaften den direkten Kampf ausfechten konnten bzw. bei Kader- oder anderen Trainingsmaßnahmen sich gegenseitig motiviert haben. In Sachsen gibt es viele gute Talente, aber die direkten Konkurrenten fehlten uns in den letzten beiden Jahren.
Wie sieht euer Trainingspensum aus?
Lilli: Wir trainieren fünfmal pro Woche jeweils zwei Stunden. Das Training ist allerdings je nach Art des Turniers unterschiedlich. Direkt vor den Wettkämpfen wird mehr durchgetanzt bzw. Kondition trainiert, dazwischen wird die Technik verinnerlicht, z.B. mit einer Videoanalyse.
Rami: Wichtig ist, dass wir mit Plan trainieren! Man muss genau wissen, was man vorhat und sich die Zeit gut einteilen. Zwei Stunden können wir uns gut konzentrieren, die versuchen wir effektiv zu nutzen.
Welche Vorbilder habt ihr?
Rami: Muhammad Ali, da er das umsetzt, was er sich vorgenommen hat! Tänzerisch habe ich viele Vorbilder, zum Beispiel aus dem Ballett Rudolf Nurief oder aus dem Tanzsport Evgeni Smagin bzw. Luca Baricci.
Lilli: Oxana Lebedew.
Was sind eure Lieblingstänze?
Lilli: Cha-Cha-Cha und Langsamer Walzer
Rami: Samba und auch Langsamer Walzer
Wie lassen sich Schule und Tanzen miteinander vereinbaren?
Lilli: Ich habe derzeit den Vorteil, dass ich an einer Berufsschule lerne und aller zwei Wochen ins Praktikum gehe. Das klappt ganz gut.
Rami: Irgendwie schaffen wir das. Ich gehe zur Schule, zum Training und danach wird zu Hause weiter gelernt.
Könnt ihr euch vorstellen, als Trainer oder Wertungsrichter zu agieren?
Rami: Als Übungsleiter arbeiten wir bereits gelegentlich, wenn wir beispielsweise die Kindergruppen beim TSZ Dresden in Vertretung übernehmen oder auch mit meiner Schwester Alina und ihrem Partner Danylo (Anmerkung: Yerokhin). Es macht unheimlich viel Spaß und das wollen wir, wenn es die Zeit zulässt, in Zukunft weiter machen.
Werten wollen wir beide nicht.
Was habt ihr euch für die Europameisterschaft vorgenommen?
Lilli: Wir wollen einfach sehr gut tanzen.
Rami: Bei den Ergebnissen kann alles passieren. Das haben wir bei unseren vergangenen Europa- und Weltmeisterschaften gesehen. Aber Semifinale wäre toll.
Wie sah eure unmittelbare Vorbereitung auf die EM aus?
Lilli: Nach der Deutschen Meisterschaft Jugend Standard haben wir intensiv 1,5 Wochen Latein trainiert. Die restlichen zwei Wochen haben wir beide Sektionen kombiniert und viel durchgetanzt.
Wie geht es bei euch jetzt sowohl tänzerisch als auch privat weiter?
Rami und Lilli: Tänzerisch wollen wir uns in der Hauptgruppe vor allem in der Kombination etablieren. Theoretisch haben wir noch gut zehn Jahre, in denen wir aktiv tanzen können. Da kann viel passieren.
Lilli: Sonst werde ich in den nächsten zwei Jahren mein Fach-Abitur machen.
Rami: Ich beende auch gerade mein Abitur. Danach werden wir mal sehen.
Wenn ihr ein paar tänzerische Wünsche äußern dürftet, welche wären das?
Rami: In Sachsen gibt es nicht weniger Talente, als in den anderen Bundesländern. Das Problem ist aber, dass viel mehr seitens der Paare investiert werden müsste, vor allem Fleiß und auch bei Einzelstunden.
Wir würden uns wünschen, dass die Talente sich bei schlechten Ergebnissen nicht hängen lassen, sondern daran arbeiten. Sie können es schaffen!
Ein Wunsch, den wir auch hätten wäre, dass man seine Meinung äußern kann, denn Wahrheit schmeckt nicht immer! Man sollte sich nicht immer alles vorkauen lassen und sich selbst treu bleiben. Und man sollte wissen, auf wen man sich verlässt!
Wollt ihr zum Abschluss eurer Jugendzeit noch etwas loswerden?
Rami und Lilli: Ja natürlich sehr gerne! Wir möchten uns bedanken. An aller erster Stelle denken wir da natürlich an unsere Eltern. Sie haben uns als Kinder immer unterstützt, zum Beispiel beim Transport zum Training und zu den Turnieren gefahren. Aber vor allem haben sie uns finanziell unterstützt. Dann natürlich unsere Trainer Asis Khadjeh-Nouri und Dirk Heidemann. Sie kennen uns von Anfang an. Durch sie haben wir vor allem Grundlagen und Prinzipien gelernt. Ein Dank geht auch an unsere Heimtrainer Tassilo und Sabine Lax. In den letzten zwei Jahren haben wir durch sie einen enormen Entwicklungssprung gemacht. Sie haben uns das internationale Geschäft noch näher gebracht. Danke auch an unseren Verein. Wir möchten auch dem Landestanzsportverband Sachsen für die finanzielle Unterstützung danken! Wir würden uns freuen, wenn der LTVS es schaffen würde, jedes Jahr ein internationales Turnier auszurichten. Hier können die jüngeren sächsischen Paare bereits erste internationale Luft schnuppern. Danke auch für ein tolles Kadersystem, auch wenn weniger Paare spezieller gefördert werden könnten. Es sollte wieder Anstrengung kosten, in einen Kader zu dürfen.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für eure private und tänzerische Zukunft.
Nun aber erst einmal viel Erfolg auf der EM!
Jana Otto, Jugendwartin des LTVS
Anmerkung: der 11./12. Platz war das Ergebnis für Rami und Lilli
Tanzspiegel 02/11