
Horst als Zweijähriger

wer ist das denn zur Einschulung-auch unser Horst

und auch das ist Horst

... damit verabschiede ich mich aus dem längjährigen Ehrenamt - zum Wohl!
Im Übrigen hatte ich vor der Wende im damaligen Bezirk Leipzig, flächenmäßig vergleichbar mit dem Saarland, als Vorsitzender der Bezirksarbeitsgemeinschaft Turniertanz ähnliche Aufgaben wahrgenommen.
Für viele bist Du im Tanzsport zu einer festen Institution geworden. Es gibt wohl keinen aktiven Tänzer, der Dich nicht kennt und trotzdem haben wir so allerhand Fragen an Dich, um Dich den Lesern noch näher zu bringen. Seit wann bist Du denn überhaupt mit dem Tanzsport verbunden?
Dr. H. G.: Es war etwa im Herbst 1968/69 als wir uns in der Tanzschule Christa und Helmut Seifert, damals renommierte Turniertanztrainer, in einem Ehepaarzirkel anmeldeten, vergleichbar mit den heutigen Breitensportgruppen. Circa 1970 wechselten wir in den TK Grün-Gold Leipzig und wurden von Christa Seifert trainiert. Parallel dazu übernahm ich diese oder jene Aufgabe.
Hast Du abrufbar, wie viele Turniere Du als Wertungsrichter, Du hast die S-Lizenz, als Turnierleiter oder Beisitzer gewertet hast?
Dr. H. G.: Es sind inzwischen knapp mehr als 900 Turnierveranstaltungen, in denen in der Regel mehrere Startklassen durchgeführt worden sind. Mein erstes Turnier wertete ich am 20.10.1979 in Riesa. Seit Ende der 80-er Jahre nutze ich die Turnierleiterlizenz.
Du hast selbst aktiv getanzt, von 1972 bis 1981 mit Ulla. Deine größten Erfolge?
Dr. H. G.: Ich tanzte mit meiner damaligen Ehefrau mein erstes Turnier am 29. Oktober 1972 und mein letztes am 09.Oktober 1981. Der größte Erfolg? Es war wohl 1973 bei der damaligen DDR-Meisterschaft der Senioren A der 8. Platz (damals Finalplatz), nachdem wir erst eine Woche davor in die A-Klasse aufgestiegen waren. In der „S“ reichte es dann leider nicht mehr zu einem Finalplatz bei den DDR-Meisterschaften.
Du hast in Sachsen viele Weiterbildungen, u. a. für Turnierleiter und Beisitzer organisiert und durchgeführt. Man nennt Dich nicht umsonst die wandelnde TSO. Wirst Du uns auch weiterhin mit Deinem Wissen zur Verfügung stehen und Weiterbildungen mit Deinem schier unendlichen Wissen gestalten?
Dr. H. G.: Die Bezeichnung „wandelnde TSO“ ist freundlich übertrieben, auch man sich geschmeichelt fühlen könnte. Auch andere wissen sehr gut Bescheid. Ich selbst werde mich unabhängig von der Funktion eines Landessportwartes auch weiterhin mit dem Stoff beschäftigen müssen und auch wollen, da ich den Vereinen, falls es welche wünschen, als Turnierleiter oder Beisitzer zur Verfügung stehen werde. Das gilt übrigens auch als Wertungsrichter. Wenn der Landesverband mich als Lehrkraft mag, wäre ich der Letzte, der sich verweigern würde.
Was machst Du nun mit Deiner neu gewonnen Freizeit? Ich weiß, dass Du begeisterter Hobbygärtner oder „Laubenpieper“ bist. Deine Frau Heidrun wird sich freuen, dass Du ihr künftig Deine ganze Aufmerksamkeit widmen wirst. Welche Pläne hast Du, wie geht es weiter?
Dr. H. G.: Hobbygärtner bin ich wahrlich nicht. Wahr und richtig ist, dass wir ein Stück Land auf einer Innenspülkippe, eingestuft als Unland, in einem Ende der 40-er Jahre ausgekohlten Restloch eines Braunkohlentagebaus mitbesitzen, wo auf tonigem Untergrund nicht viel mehr als Sandbirken und Robinien wachsen, aber wir dafür somit an einem „Baggersee“ mit Trinkwasserqualität anliegen. Dort ist also unsere Sommerwohnung im Grünen.
Pläne? Als Erstes hoffe ich gesund zu bleiben, das wäre für alles andere die wichtigste Voraussetzung. Zum Zweiten heißt es auch nicht, wenn man in einer Wahlfunktion nicht mehr antritt (was wohl besser ist, als wenn man irgendwann nicht mehr gewollt ist), der Sache, mit der man sich über mehr als 4 Jahrzehnte verbunden fühlt, völlig den Rücken zu kehren. Dazu hatte ich mich ja bereits geäußert.
Und schließlich habe ich Nachholebedarf im Lesen, zu denen auch Fachbücher gehören werden. Auch sind mir persönliche Freundschaften wichtig, die in den letzten Jahren, wie vieles andere auch, zugunsten meines Ehrenamtes zurückgestellt werden mussten.
Bitte gib uns (D)eine Lebensweisheit mit auf dem Weg:
Dr. H. G.: Dazu bin ich sicherlich noch nicht abgeklärt genug, andere mit Weisheiten zu beglücken (es folgt ein breites schmunzeln mit Augenzwinkern). Aber Offenheit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit sollte man schon anstreben – Eigenschaften, die heutzutage immer mehr in den Hintergrund treten, leider. Außerdem sollte man sich vor einer Amtsübernahme kritisch fragen, ob man sich dazu auch berufen fühlt oder ob man vielleicht nicht nur gerufen wurde. Im letzteren Fall sollte man tunlichst die Finger vom Amt lassen.
Vielen Dank, lieber Horst, für das Interview. Es war wie immer sehr lehrreich mit Dir im Gespräch zu sein und vor allem äußerst angenehm für mich, einen so charmanten und bescheidenen Gesprächspartner zu haben.
Wir wünschen Dir alles Gute, vor allem Gesundheit, Fitness bis ins hohe Lebensalter, erholsame Sommerzeiten am Baggersee, viel Zeit zum Lesen und Deine Freundschaften zu pflegen, schöne Erlebnisse mit Deiner Heidrun und ein gesundes, freundliches Wiedersehen auf Turnieren oder wo auch immer.
Heike Herzberg im März 2006