
(Sportdirektor) Dr. Horst Galle
….. was macht denn unser Landessportwart Dr. Horst Galle mit seiner neu gewonnenen Freizeit, wenn er nicht mehr im April für eine weitere Legislatur im Landestanzsportverband Sachsen zur Verfügung steht?
Tanzsport, tatsächlich als 24-Stunden-Job war seine Berufung (die Leidensfähigkeit seiner Frau Heidrun in Kauf nehmend). Ich denke, er wird nicht in ein „schwarzes Loch“ fallen, dafür ist er an zu vielen Dingen interessiert und ist gewohnt, neue Situationen zu meistern.
Im Kontext unserer sächsischen, schon Jahrzehnten währenden scherzhaften Rivalitäten. „In Chemnitz wird gearbeitet, in Leipzig gehandelt, in Dresden regiert“ habe ich Horst, besonders im Präsidium als einen konsequenten, fachlich nicht zu schlagenden Kollegen, achten gelernt. Unerbittlich in seiner Argumentation, aber nie persönlich verletzend seinem Gegenüber auftretend, stritt er für das Bestmögliche im Tanzsport. Als Gründungsmitglied des Landestanzsportverbandes (davor Vorsitzender der Bezirksarbeitsgemeinschaft Turniertanz Leipzig) war er „mit allen Wassern“ gewaschen, beharrlich kämpfte er für vernünftige Dinge. Wer weiß denn noch, dass er Anfang der 90-Jahre im Deutschen Tanzsportverband die Diskussion zu für Mädchen kindgerechtem Schuhwerk in Gang brachte, lange noch bevor es in unserem Geltungsbereich IDSF-Regeln zur Kleiderordnung gab. Es hat ihn wohl geschmerzt, dass bei Aufnahme in den DTV genau das nicht passiert, was im Einigungsprozess (siehe Polikliniken, Kindergärten, Schulsysteme …) ebenfalls nicht erfolgte: beseitigen wir doch den ideologischen Ballast und schauen wir, was praktikabel sinnvoll anzuwenden ist. Dabei war Horst über alle Verstrickungen in der DDR erhaben: als Chef des Messepreises Leipzig, mit dem sich die Oberen gern als „weltoffene Stadt des Handels“ schmückten, musste er sich mit den Verantwortlichen aus der Partei wohl zusammensetzen. Schließlich ging es um Länder wie Norwegen, Holland … und um die Abteilung Pass- und Visawesen. Aber als Parteiloser durfte und konnte er für sein Engagement im Gegenzug niemals das „kapitalistische Ausland“ bereisen.
Im Sportausschuss suchte er sich unter seinen Sportwartkollegen und -kolleginnen im DTV immer Verbündete, wohl wissend, dass wir als kleines Sachsen ohne Unterstützung, selbst wenn etwas vernünftig ist, gar nichts durchsetzen können. Da ist als Erfolg zu verbuchen, das schließlich, was in der Turnierordnung der DDR schon Usus war, das Skatingsystem nicht nur für Meisterschaften (zuerst als Pilotprojekt), sondern letztlich für alle Sportturniere angewendet wurde. Und auch für den Zugang aller 10-Tänze-Paare ohne Quotierungen aus den Sportgebieten machte er sich stark. Und ganz im Stillen hatte er ein mathematisches Modell entworfen, welches dem Sportausschuss hilft, Entscheidungen zu seinen Topfwertungsrichtern zu objektivieren.
Sein Wissen sprudelt auf Knopfdruck aus ihm heraus. Geschichte ist sein Hobby, besonders die sächsische Geschichte: „Wir Sachsen sind überall, das sieht man schon an den Länderbezeichnungen Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und schließlich auch an den Siebenbürger Sachsen“. Von der Leipziger Teilung des Wettinischen Königshauses weiß er gut zu berichten und über die Organisationsstrukturen der Hauptmannschaften und die „freundlichen Auseinandersetzungen“ mit den Preußen. Als Geologe kennt er alles in Deutschland Über- und Untertage. Das kann mit ihm sehr anstrengend sein: ich erinnere mich noch an eine gemeinsame Fahrt nach Bad Harzburg zur Wertungsrichterschulung. Ohne Unterlass wurde ich mit Erdformationen und Bodenschätzen bombardiert. „Und weißt Du, dass hier früher Steinkohle gefördert wurde?“ Natürlich wusste ich nicht und war froh, endlich Bad Harzburg erreicht zu haben. Kein Wunder, dass er sich in Verbindung zu seinem früheren Beruf an einem Tagebaurestloch im Bitterfelder Land einen Rückzugsraum gesucht hat, zu dem er im Sommer „völlig ungenehmigt“, zwei Wochen verschwand. Wobei ich glaube, seine Ordner als Kopfkissen mitgenommen zu haben.
Das Beste an ihm sind seine Sprüche, wie zur Turnierleiterschulung: „Der Turnierleiter ist der Dompteur in der Manege und für alles verantwortlich“. Und seine Mahnung: „Schreibt alles in den Turnierbericht, was ihr an besonderen Vorkommnissen erkennt, das wirkt mildernd bei eventuellen Vergehen gegen die TSO“. Da hat er leider selbst Pech gehabt, zugunsten junger Tänzerinnen und Tänzer, eben unsere Zukunft, im Einzelfall entschieden und vermerkt zu haben. Denn manchmal verselbstständigen sich eben Recht und Gerechtigkeit, verbunden mit mangelndem Respekt.
Oder der Spruch: „Der Sportwart ist der wichtigste Mann im Landesverband“. Da ließen wir ihn gerne gewähren, selbst der Präsident lächelte loyal über seine eigene Entthronung. Und was Horst leider (mit Blick auf den LTV Bayern) nie erreichte, sei ihm jetzt gegönnt: ich als unbedeutender Playbejer adele hiermit Dr. Horst Galle zum
„Sportdirektor von Sachsen a.D.“
Michael Hölschke