
Also geplant war dieses Vorhaben schon seit geraumer Zeit. Aber es ist gar nicht so einfach, sich einen Termin mit den zwei Vielbeschäftigten, die u. a. aktive Tänzer, Trainer, Tanzlehrer und obendrein Eltern sind, zu vereinbaren. Am 17.11.2009 war es endlich soweit und wir trafen uns in Dresden im Trainingsstützpunkt des Tanzsportzentrum Dresden, gleichzeitig sind es die Räumlichkeiten der Tanzschule Lax, auf eine gemütliche Tasse Tee.
Herzlichen Glückwunsch zu den überragenden Erfolgen in der jüngsten Vergangenheit. Blackpool: …, 3.GOC, 3. der WM in Kanada und der Sieg bei den Austrian Open in Wien.
Welcher Titel, welches Ergebnis ist Euch am bedeutungsvollsten
Tassilo: Alle ertanzten Erfolge sind uns sehr wichtig. Unser Blackpool-Ergebnis rangiert für uns weit vorn, da es so ein einmaliges Erlebnis ist, in diesem tollen Ambiente im Finale auf der Fläche zu stehen. Und wenn man sich dort auf das Treppchen tanzt, gibt das schon ein Gänsehautgefühl.
Aber auch die Weltranglistenturniere haben bei uns einen hohen Stellenwert und wir bemühen uns
Stetig, unsere Position zu halten und zu verbessern. Derzeit sind wir auf Rang 2 und sehr zufrieden, unser Ziel in diesem Jahr unter die ersten drei zu kommen, geschafft zu haben.
Glinde – die DM. Das Ergebnis…..
Sabine: Da kann man nichts machen, es sollte halt nicht sein....Es gibt eben auch Niederlagen. Im ersten Moment sieht man das natürlich nicht so entspannt, denn es wäre ja schlimm, wenn man nicht mit einem gewissen Ziel in den Wettkampf geht. Aber bereits am nächsten Tag waren wir wieder guter Dinge und bereit, die nächsten Ziele anzuvisieren. Einen großen Anteil daran hatte natürlich auch unser Trainer Asis Khadjeh-Nouri, der es eigentlich immer wieder schafft, uns extrem zu motivieren und weiter nach vorn zu denken. Denn das Ziel ist klar- wir wollen unsere Position in der Weltspitze festigen und natürlich ausbauen.
Tassilo: Wie Sabine schon gesagt hat, im ersten Moment sieht man das natürlich überhaupt nicht entspannt, da man ja auf das spezielle Ziel focusiert ist und darin auch extrem viel Emotionen und Leistung gesteckt hat. Und wenn man auf seine Leistung während dieses Wettkampfes von zahlreichen Fachleuten ein positives Feedback erhält, dann ist es natürlich verständlich und auch legitim, enttäuscht zu sein. Aber eine Nacht darüber geschlafen und die Welt ist wieder in Ordnung.
Seit wann seid ihr ein Tanzpaar?
Seit 1997.....
1998 haben wir uns entschlossen, unsere Liebe zum Tanzen an Andere weiter zu geben und eine 3-jährige Ausbildung als Tanzlehrer in Berlin absolviert.
Nach Beendigung der Ausbildung wechselten wir 2001 ins Profilager- das war damals so üblich.
Ein kurzer Ausflug. Der Wechsel vom Profilager zurück zu den Amateuren war goldrichtig, was trieb Euch dazu an?
Tassilo: Das ist eigentlich eine komplexere Geschichte. 2003 kündigte sich bei uns Nachwuchs an und wir gingen in eine längere Babypause. Nachdem wir nun glücklich zu dritt unseren Rhythmus im Alltags- und Berufsleben gefunden hatten, fühlten wir, dass wir die Tanzschuhe eigentlich noch nicht an den berühmten Nagel hängen wollten. Wir wollten unbedingt fit bleiben und weiter tanzen.
Also haben wir wieder langsam begonnen Turniere zu tanzen. Haben auch wieder in der Kürdisziplin neue Ideen umgesetzt und wurden damit 2005 Deutscher Vizemeister. Leider wurde die Anzahl der Turniere und auch die Starterfelder immer weniger und somit auch unsere Motivation. Wir wollten wieder mehr und größere Turniere tanzen, mit hohen Startzahlen und auch gegen Tänzer unserer Altersklasse.
Wir befassten uns mit dem Thema Senioren I und waren begeistert von der hohen Leistungsdichte, dem hohen Tempo, viele Turniere im In –und Ausland. Die Entwicklung im Seniorenbereich ist gewaltig und hat mit „Senioren“ im wahrsten Sinne des Wortes nix mehr zu tun.
Und da war sie- unsere Herausforderung!
Sabine: Jetzt musste Tassilo nur noch warten, bis ich „endlich“ 35 bin! Da wir uns nun auf große Turniere einrichten konnten, war natürlich erst einmal hartes Konditionstraining angesagt!
Und es hat sich gelohnt. Wir fühlen uns mit unserem Wechsel total wohl und sind motivierter denn je. Vier bis sieben Runden tanzen und abends im Hotel glücklich erschöpft ins Bett fallen- ein extrem gutes Gefühl. Auch die Stimmung bei den „Senioren“ ist super! Wir haben sehr viele tolle Freundschaften geschlossen, auch mit Paaren aus dem Ausland. Man freut sich, sich zu sehen und wir feuern uns gegenseitig an.
Eure Tanzpaarbeziehung entwickelte sich weiter, ihr seid seit 2001 verheiratet. Eure Tochter wurde 2004 geboren, wird sie auch in Eure Tanzspuren treten?
Sabine: Nein, sie wird wohl keine Tänzerin. Fabien ist mit Leib und Seele Eiskunstläuferin und trainiert vier bis fünf Mal die Woche wirklich fleißig und hart. Es ist toll zu sehen, wie sie sich entwickelt, Fortschritte macht und dabei einen unglaublichen Spaß und Ehrgeiz zeigt. Wir unterstützen sie mit Freude. Außerdem ist es schön in der Eishalle einfach nur Mama zu sein und keinen Plan von der Materie zu haben...
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist immer wieder ein ganz großes Thema. Wie sieht ein ganz normaler (Arbeits) Tag bei dem Ehe-und Tanzpaar Lax aus?
Tassilos Kommentar: Wir dürfen uns ja immer anhören, das wir ja den ganzen Tag nichts anderes machen, außer Tanzen.... (lacht). Das ist natürlich Blödsinn. Es muss viel organisiert, geplant und geschrieben werden. Eine Tanzschule muss schließlich verwaltet werden und Kunden beraten und betreut werden. Unsere Arbeitswoche geht von Montag bis Montag.
Wir frühstücken alle gemeinsam, dann läuft der Tag wie bei den meisten Familien: Fabien geht gegen 8.30 Uhr in die Eishalle zum Training, ich in die Tanzschule zum Bürodienst und Sabine bleibt der Haushalt... bis sie selbst am späten Nachmittag zum Unterricht in die Firma fährt.
Nur unsere Trainingszeiten unterscheiden sich wohl von den meisten Paaren - wir trainieren nach Kursende ab 22 Uhr. Da haben wir Ruhe, kein Telefon und Fabien schläft dann schon und wir stehlen ihr keine gemeinsame Zeit mit uns.
Sabine: Als Mutter und Hausfrau fallen alle übrigen Tätigkeiten auf mich. 7:00 Uhr klingelt der Wecker und dann geht´s los manchmal bis 01.00 Uhr nachts. Es ist mir sehr wichtig, viel Zeit für unsere Tochter zu haben und viel mit ihr zu unternehmen. Das genieße ich sehr.
Und damit unsere Tochter möglichst viel Zeit mit uns hat, muss man manchmal schon ein Organisationsgenie sein, damit drum herum alles passt. Überhaupt ist unsere ganze Familie komplett durchorganisiert. Ohne unsere lieben Großeltern und unser Super - Team in der Tanzschule, die uns wirklich extrem unterstützen, wäre es gar nicht möglich. Nur unser Schlafpensum kommt halt oft zu kurz. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich im vergangenen Jahr im Flugzeug einen Start oder eine Landung mit offenen Augen erlebt habe...
Ihr seid sowohl Trainer als auch Tanzlehrer. Euer Verein, das Tanzsportzentrum Dresden hat z. Z. ca. 60 Mitglieder.
Sabine: Ja, dabei ist die breite Masse Turniertänzer, wir haben keine Breitensportler. Die Talentesichtung erfolgt in der Tanzschule. Und wer dann ernsthaft Leistung zeigen will, der macht im Verein weiter.
Der Verein wurde 2003 gegründet. 60 Mitglieder, eine starke Entwicklung innerhalb der letzten zwei Jahre. Gibt es dafür ein Geheimrezept?
Tassilo: Wir wollen Freude an der Bewegung wecken und dafür sorgen, dass der Spaß daran nicht auf der Strecke bleibt. Natürlich zählt auch hier die Leistungsbereitschaft.
Wir haben die Möglichkeit, uns nur um wirklich leistungsbereite Paare kümmern zu müssen. Wir beraten mit den Paaren gemeinsam das Trainingskonzept, welches passgerecht für das individuelle Paar sein muss. Dinge, wie Abitur finden Berücksichtigung, dann gibt es eben nur das s. g. „Nottraining“. Wir wollen uns methodisch detailliert um die Paarbetreuung sorgen und dazu gehört eine äußerst gute Planung und Organisation. Die Paare sollen „Blutlecken“, an ihren Zielen arbeiten und neue Ziele anpeilen. Aufstieg in die S - Ziel erreicht und das war´s – das funktioniert so nicht, nicht bei uns. Das Gesamtkonzept wollen wir bei allem im Auge behalten. Dazu gehört für uns auch das Styling und Outfit. Unklar, wenn ein Frack nicht passt oder die Frisur und das Kleid nicht passend und stimmig oder gar unsauber sind. Im Gondelkahn vom Carolasee kann ich halt auch keine Regatta gewinnen, wenn die Konkurrenz entsprechend anders vorbereitet ist.
Was treibt Euch an, was ist eher hinderlich?
Sabine und Tassilo ergänzen sich gegenseitig: Augen öffnen, um das große Ganze zu sehen, über den Tellerrand hinausschauen. Z. B. sollten unsere sächsischen A-Klasse Paare auch die Möglichkeiten in der Nähe nutzen für internationale Starts. Die GOC sollte verstärkt genutzt werden, das wichtigste Turnier in Deutschland. Aber auch Turniere wie z. B. in Brünn, Linz, Prag oder Wien. Das sind doch heute keine großen Entfernungen mehr. Außerdem macht es doch viel mehr Spaß, wenn mehrere Paare aus dem eigenen Landesverband am Start sind. In der Gemeinschaft sind wir alle stark, ein Fanblock im Rücken, das gibt doch Kraft, enorme Unterstützung, das motiviert, spornt an. Jeder einzelne Tänzer ist Bestandteil der Gruppe. Es sollte für jedes Paar eine Verpflichtung und Ehre sein, bei großen internationalen Turnieren zu tanzen. Sich auch mal in die Höhle des Löwen wagen, ein starkes Starterfeld nicht scheuen, das bringt uns doch voran. Ein Ergebnis auch mal hinnehmen, internationale Luft schnuppern, das macht doch den eigentlichen Reiz aus. Trends sehen und abschauen. Und wenn man in der Gemeinschaft fährt, ist die Kostenfrage auch schon minimiert. Nur regional zu tanzen genügt nicht. Mit Sicherheit holt man bei „ländlichen“ Turnieren eher mal eine Platzierung, aber die Erfahrungen und so manche kostenlose Trainingseinheit sammelt man eben auf internationaler Ebene.
Ihr macht immer wieder auf Euch aufmerksam, nicht nur mit Euren eigenen Erfolgen, sondern auch mit hochwertigen Turnierveranstaltungen wie z. B. den Saxonian Classics am 6. März 2010 in Coswig, in der Nähe von Dresden. Was erwartet uns, wer sind Eure Mitstreiter?
Tassilo: In erster Linie hochkarätiges Tanzen mit internationaler Beteiligung.
Folgende Turniere sind geplant:
IDSF OPEN Senioren I Standard
IDSF OPEN Senioren II Standard
IDSF OPEN Senioren I Latin
IDSF OPEN Hauptgruppe 10 Tänze
DTV "Goldene 55"
DTV "Leistungsstarke 66"
Mit Asis Khadjeh-Nouri und dem Landestanzsportverband Sachsen haben wir bei diesem Vorhaben äußerst gute Unterstützung.
Was sind Eure nächsten Ziele, Pläne, Vorhaben, was möchtet ihr im Tanzsport erreichen?
Sabine: Wir wollen ganz nach vorne, angreifen und uns mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden geben. Wir haben ein ganz klares Ziel...
Tassilo: Da stimme ich vollauf Sabine zu, da gibt es nichts zu ergänzen.
Das sind äußerst gute Aussichten, so dass ich Euch letztendlich alles Gute und beste Erfolge, natürlich nicht nur im Tanzsport, wünschen möchte. Ich bedanke mich für das sehr interessante Gespräch, die Zeit, die ihr Euch genommen habt und freue mich schon heute auf unser nächstes Zusammentreffen. Wir sehen uns spätestens am 19. Dezember 2009 wieder, nämlich in Riga zur Weltmeisterschaft der Jugend Standard, mit Rami Schehimi und Lilli Hils aus Eurem Verein.
Heike Herzberg
Nachtrag: Dass Tassilo und Sabine auf dem richtigen Weg sind, zeigt ein weiterer Erfolg: Am 18.12.2009 belegten sie erneut den 1. Platz beim Grand Prix Latvija.