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Schwarzh_upterhaus

Laipni ludzam!

Rami Schehimi und Lilli Hils

winterliche Impressionen aus Riga

Freiheitsdenkmal 1935 erbaut, ist das bedeutendste Denkmal Lettlands

Schwarzhäupterhaus

Goldene Hähne, dämonische Masken, romantische, tiefverschneite Parks – Riga bei klirrender Kälte. Riga - die ehrwürdige Hansestadt an der Ostsee zu beiden Ufern der Daugava. Riga hat viele Gesichter: die zum UNESCO-Welterbe gehörende Altstadt (in der wir wohnten) mit ihren backsteingotischen Kirchen und hanseatischen Speicher-und Gildehäusern, das Zentrum mit opulenten Jugendstilgebäuden und nicht zuletzt eine Vielzahl von Grünanlagen. Wir, Rami Schehimi, Lilli Hils und ich waren wir jedoch hier, um an der Weltmeisterschaft der Jugend A Standard teilzunehmen, gemeinsam mit 72 anderen Paaren aus 40 Nationen. Aber der Reihe nach: Am 18.12.2009 um 4:00 Uhr ging es los. Unser Fahrer, Nassib Schehimi, (Papa von Rami) brachte uns in einer sehr abenteuerlichen Fahrt nach Berlin. Abenteuerlich deshalb, weil jede Menge Schnee die Fahrt auf der nicht geräumten Autobahn nach Berlin echt rutschig gestaltete. Umgefallene LKW und damit verbundene Staus kurz vor Berlin ließen uns schon die Rücklichter des Fliegers sehen. Aber wir hatten in Nassib einen versierten (Berufs)Kraftfahrer, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ und jede Menge Glück, dass auch in Berlin Neuschnee angesagt war und somit unser Flieger verspätet startete. Immer in telefonischer Verbindung mit Elena Geng und dem Flughafen, waren wir jeweils auf dem aktuellen Stand. Dank der Wetterunbilden haben wir den Flug geschafft. Kaum eingestiegen, schlief Lilli und erwachte in Riga durch das Abbremsen des Fliegers. Im Vorhinein hatten wir schon über die DTV-Geschäftsstelle die aktuellen Wetteraussichten in Riga erhalten, die letztendlich den deutschen Temperaturen entsprachen und so kamen wir bei minus 20 Grad Celsius in Riga bei reichlich Schnee und sonnigem Wetter an. Stadtbesichtigung, ein Besuch bei Mc Donald mit Tanzfreunden und Training, (Feeling für die Halle, Parkett, Atmosphäre aufnehmen) Tassilo und Sabine Lax beim IDSF Open Standard-Turnier beobachten, standen noch am Freitag auf dem Programm. Tassilo und Sabine Lax ertanzten sich beim Latvija Grand Prix den ersten Platz, einfach großartig. Martin Herrmann und Sandra Tippelt vom STK Impuls Leipzig haben wir auch auf dem Turnier getroffen. Als der BuJuWa, Boris Exeler, Rüdiger Knaak und die anderen deutschen Paare am Abend eintrafen, ging es – ja man kann schon sagen – traditionsgemäß ins LIDO zum Abendessen. Dort gab es eine Wiedersehensfreude auf sächsische Art: Unsere ehemalige, für Dresden startende Tänzerin, Anne Weber, die jetzt für Braunschweig tanzt, war auch mit dabei. Da muss man über 1000 km reisen, um sich zu treffen. Der gemütliche Abend ging beizeiten zu Ende, denn Rami und Lilli wollten fit für den nächsten Tag sein. Sabine Lax übernahm in den frühen Morgenstunden das Styling und Makeup für die deutschen Mädchen und Lilli konnte obendrein mit einem neuen Outfit aufwarten. Das obligatorische Glücksschwein aus Marzipan durfte nicht fehlen, wann es aber vernascht wurde, weiß ich nicht zu berichten. Für beide war es die vierte Weltmeisterschaft. Sie waren optimal vorbereitet, bis einschließlich Mittwoch hatten sie noch in London Training bei John Wood, Kenny und Marion Welsh, der Flug hatte Verspätung, sodass sie ihren Anschlussflug nach Dresden verpassten und erst am Donnerstag wieder zu Hause waren. Sie fühlten sich dennoch wohl und haben gut aufgetanzt, Redance kam für sie nicht in Frage. Das dennoch zu frühe Aus war für die beiden eine Enttäuschung, denn Platz 29. war nicht angedacht. Angetreten waren Rami und Lilli, Deutsche Vizemeister, um die 24-er Runde zu erreichen und „um dann zu schauen was noch geht“ so Rami. So blieb ihnen nichts weiter übrig, als die 24-Runde anzuschauen, um dort das zweite deutsche Paar anzufeuern, die letztlich mit einem 22./23. Platz das Turnier beendeten. Das Finale war stark besetzt mit zwei russischen Paaren, zwei polnischen, je einem italienischen, einem belorussischen, einem Paar aus Irland und einem aus Lettland. Es war ein spannendes Finale, hochkarätiges Tanzen bis zum Schluss. Mit Sicherheit wird darüber im Mantelteil dieser Ausgabe berichtet. Asis Khadjeh-Nouri stellte fest, dass „lediglich drei Kreuze bei Rami und Lilli fehlten und die 24-er wäre in Ordnung gegangen. Dort hätten sie ihre bis dahin gezeigte Leistung nochmals steigern können. Es fehlte ihnen ein wenig Angriffslust – und Kraft“. Beide schätzten für sich den Verlauf des Turnieres ein. Rami: „Wir hätten mehr Druck aufwenden, kraftvoller und vielleicht auch noch etwas ausdrucksstärker tanzen sollen. Mit der Auswertung der WM zu Hause ist diese für uns dann abgeschlossen und wir konzentrieren uns nun auf die bevorstehende Saison. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“. Das nächste Frühjahr hat allerhand zu bieten: im Februar die Standard-Europameisterschaft in Polen und im April die Weltmeisterschaft in Korea. Um Mitternacht erwartete die Paare im Hotel eine Welcome-Party mit warmen Buffett. Nach einer langen Nacht ging pünktlich um 13:15 Uhr unser Flieger nach Berlin, der bereits um 13:00 Uhr landete. Der Leser muss sich jetzt nicht wirklich wundern, da eine Stunde Zeitverschiebung der Grund für unsere frühe Ankunft ist. Lilli schlief wie immer durch, während Rami sich auf eine Klausur für den darauffolgenden Tag vorbereitete. Dank der raschen und sicheren Fahrweise unseres Fahrers Nassib waren wir pünktlich zum vierten Advent wieder zu Hause und es war noch Zeit, um bei einer Tasse Kaffee den Dresdner Christstollen zu genießen oder über den berühmten Striezelmarkt zu schlendern.   Text und Fotos: Heike Herzberg
Tanzspiegel 02/10