Wetzlar – die alte deutsche Reichsstadt und Sitz des Reichskammergerichtes seit 1689, dem höchsten Gericht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, bis zur Auflösung des Reiches im Jahre 1806. Wetzlar mit seiner historischen Altstadt und dem noch immer unvollendeten Dom ist aber auch ein moderner Industriestandort, der seinen Ursprung in der Eisenerzgewinnung, -verhüttung und - verarbeitung mit einer mehr als 2500-jährigen Tradition hat. Weltweit bekannte Unternehmen der feinmechanischen und optischen Industrie wie Leitz (Leica) haben hier ihren Ursprung und ihren Sitz. Selbst Goethe fühlte sich als Praktikant am Reichskammergericht 1772 einen Sommer lang heimisch – kein Wunder, denn er verstand eher zu leben und zu lieben als der trockenen Juristerei zu frönen. Über seine unglückliche Liebe in die bereits verlobte Charlotte Buff kann seine Nachwelt nur glücklich sein, denn er verarbeitete seinen Kummer literarisch in einem der bedeutendsten Romane des 18. Jahrhunderts, in „Die Leiden des jungen Werthers“. Wetzlar ist in jedem Fall eine Reise wert. In meinem Fall aber nicht wegen Altmeister Goethe, der sich als junger Student bereits ab 1765 trefflich im sächsischen Leipzig amourös zu amüsieren wusste, sondern wegen der sächsischen Standardpaare, die hier an den Deutschen Meisterschaften ihren Standort bestimmen lassen wollten. So verbrachte ich viele Stunden in der Rittal-Arena, dem Austragungsort der „Deutschen“.
Um es vorweg zu nehmen, wir erlebten dank der ausgezeichneten Organisation des Wetzlarer Schwarz-Rot-Clubs unter Vorsitz von Philipp Feht, der an diesem Abend auch offiziell hohe Ehrung erfuhr, schöne Meisterschaftsstunden. Besonders am Nachmittag wurden die Pausen zwischen den einzelnen Wertungsrunden mit Showauftritten des Vereinsnachwuchses und der Gardetanzgruppe des Vereins interessant ausgestaltet. Am Abend wurde die festliche Ballveranstaltung mit einem Opening der SRC-Jugend fröhlich eröffnet. Wertungsrunden der Meisterschaft (ab der 24er-Runde) wechselten mit Publikumstanz nach guter Livemusik der Mike-Selleg-Gala-Band aus St. Augustin, Vor- und Endrunde des 29. Internationalen Wetzlarer Leicaturnieres der Jugend-Latein, Showauftritten (Lateinformation des TC Limburg / Lahn und Gardeshowtanzzgruppe des SRC). Außerdem brillierte Marijke Schibel als „Hessenstar 2008“, dem HR4-Schlagerpreis, mit drei Gesangseinlagen. Alles vielleicht ein wenig zu viel des Guten an Rahmenprogrammen, aber der Ablauf funktionierte, wenn natürlich dadurch der sehr knapp kalkulierte Zeitplan auch ein wenig überschritten wurde.
In diesem Jahr griff erstmalig die neue Eingangsvoraussetzung zur Meisterschaftsteilnahme, nach der mindestens vier von sieben Ranglistenturnieren seit der letzten DM-Standard von jedem Paare getanzt worden sein mussten. Sicherlich waren aus diesem Grund auch deutlich weniger Paare als im Vorjahr am Start. Schmerzlich für unseren Landesverband, dass es zwei Paare betraf, die sich zumindest in der 48-er Gruppe, mit gewisser Wahrscheinlichkeit auch in der 24-er hätten einordnen können. Neue Partnerschaften (Martin Herrmann) und Prüfungen im Studium (Sebastian Lucke) sind zwar nachvollzieh- (und nachprüf-) bare Gründe, aber leider keine anerkannten. Dass Weltspitzenpaare von der Vorrunde an tanzten mussten, andererseits aber weniger leistungsfähigere, trotzdem aber auch gute Paare, erst auf Grund der Ranglistenplatzierungen in der nächstfolgenden Runde einzusteigen brauchten, war ebenfalls neu. Was dem einen seine Freud´, ist dem anderen sein Leid. Es bleibt abzuwarten, wie sich künftig diese Neuregelungen bewähren werden.
Elf Paare hatte unser Landesverband trotzdem von den insgesamt 89 Paaren am Start, sicherlich eine erfreuliche positive Bilanz. Von denen schafften es neun Paare in die erste und acht Paare in die zweite Zwischenrunde, in der also jedes sechste ein sächsisches Paar war. Wenn dann noch immer fünf Paare (20,8 %) bei den besten 24 dabei sind, ist es schon eine tolle Leistung, mit der der Landesverband, die Heim- und der Landestrainer voll zufrieden sein können. Voller Spannung erwarteten wir alle das Abschneiden von Christoph Kies mit neuer Partnerin. Letztere hatte sicherlich eine schwere Bürde zu tragen, denn Blanca, die frühere Partnerin, war noch allen in guter Erinnerung. Christoph selbst als dreifacher Kombi-Weltmeister und vierter der letzten deutschen Standardmeisterschaft trug mit dieser Erfolgsserie selbst einen schweren Rucksack. Mit Bravour meisterte das neu zusammengestellte Paar seinen ersten Turnierstart und erreichte im Semifinale einen beachtlichen achten Platz. Keines unserer Paare blieb unter den Erwartungen, alle stellten sich der Herausforderung und konnten sich sogar im Turnier noch steigern. Aus berufenen Mündern hörte ich viel Positives über einzelne Paare unseres Landes, aber auch über die Qualität und Quantität unserer Akteure. Wir in Sachsen können auf unsere Standardpaare stolz sein und uns nur wünschen, dass es weiterhin so bleibt.
Jahr/Anzahl Paare/ Anzahl Paare Sachsens/Beste Platzierung Sachsens/
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2000 / 162 / 14 / 9.
2001 / 159 / 16 / 7.
2002 / 161 / 12 / 8.
2003 / 158 / 10 / 10.
2004 / 139 / 10 / 7.
2005 / 123 / 13 / 7.
2006 / 112 / 11 / 6.
2007 / 107 / 11 / 5.
2008 / 127 / 15 / 4.
2009 / 89 / 11 / 8.
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Acht (infolge neuer Teilnahmevoraussetzungen von 10 möglichen) Platzierungen in der vorderen Hälfte lassen für die nächsten Meisterschaften hoffen, da vor allem diese Paare ihr Leistungspotenzial noch nicht ausgeschöpft haben und somit bei weiterem Intensivtraining auch Leistungssteigerungen möglich sind. Alle Paare, die nicht zum ersten Male eine Deutsche Meisterschaften tanzten, konnten sich verbessern, zumindest aber ihren Stand halten.
Allen Respekt auch Dr. Czaja und Veit Ludewig mit ihren Partnerinnen, die erst in die S-Klasse aufgestiegen waren und eigentlich bereits der Hauptgruppe II angehören. Deshalb können sie selbst, aber auch wir alle mit ihren tänzerischen Leistungen zufrieden sein.
Die Platzierungen der Sachsen und ihre Leistungsentwicklung auf einen Blick:
2009 2008 2007 2006
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8. Christoph Kies – Anna Yanchikova TSC Excelsior Dresden -- -- --
16. Daniel Wellhöfer – Marion Hopf STK Impuls Leipzig 28. 24. 25.
20. Jens Kaiser – Ulrike Schulz TC Rot-Weiß Leipzig 24. 40. --
21.-23. Markus Ziebegk – Jenny Müller TSC Excelsior Dresden 40. -- --
24. Thomas Grusser – Melanie Taubold TSC Excelsior Dresden 44. -- --
36.-38. Gregor Pagel – Isabel Bauer STK Impuls Leipzig -- -- --
42.-45. Erik Heyden – Julia Luckow TSC Excelsior Dresden 71. 58. 73.
46.-48. Sandro-Pascal Bahke – Jeannine Sagner TSC Leipzig 47. -- --
71.-72. Dominic Thutewohl – Tina Richter TSC Leipzig 86. -- --
74. Dr. Rico Czaja – Martina Steffen TC Rot-Weiß Leipzig -- -- --
81.-82. Veit Ludewig – Linda Rosenow TSZ Dresden -- -- --
HoGa