Stuttgart – der Fußballfan denkt da zuerst an den VfB Stuttgart,der Autoliebhaber aber zuerst an Porsche (das Firmenlogo ist abgeleitet vom Stadtwappen, ein sich bäumendes Pferd) und Mercedes.
Im sumpfigen Neckartalkessel befand sich ein Kastell der Römer, das jedoch schon um 260 n. Chr. von den Alamanen überrannt wurde. Im 10. Jahrhundert soll dort von einem Herzog ein Pferdegestüt, ein „Stuotgarten“ gegründet worden sein, von dem man den Stadtnamen ableitet. Seit dem Jahre 1219 ist der Ort mit dem Stadtrecht gesegnet, zuerst von badischen, bald jedoch schon von württembergischen Grafen beherrscht, die hier sich im 14. Jahrhundert ihren Wohnsitz (das alte Schloss) einrichteten. Stuttgart blieb trotz wechselvoller Geschichte stets Haupt- und Residenzstadt, egal ob das Land eine Grafschaft war oder im 19. Jahrhundert zum Königreich mutierte.
Leider sieht man nur noch sehr wenig von der einstigen Pracht, denn mehrfach erlitt die Stadt im 2. Weltkrieg Luftangriffe, denen fast 70 % aller Wohngebäude und 75 % der Industrie zum Opfer fielen. Was noch an nichtzerstörter Stadtsubstanz verblieb, wurde nach dem Kriege abgerissen, um Platz für eine neue, autofreundliche Stadtbebauung zu schaffen. Das erinnert doch sehr an das Schicksal unserer sächsischen Metropole. Was hier an rettenswerter Substanz durch Bomben überlebte, wurde sozialistischer Neugestaltungssucht geopfert – nur gut, dass es hierzulande an Geld und allem anderen immer fehlte, sonst hätten Dresden und Leipzig auch so wenig eigenes, historisches und architektonisches Gesicht wie die meisten westdeutschen Großstädte.
Uns zieht aber nicht die Geschichte, sondern der Tanzsport nach Stuttgart. Die Stadt, die seit einigen Jahren durch die Ausrichtung der GOC einen guten Ruf hat. Hier, in der Liederhalle des Kultur- und Kongresszentrums fanden die diesjährigen Standardmeisterschaften statt. Insgesamt waren 127 Paare am Start und damit wieder etwas mehr als in den Vorjahren.
Jahr Anzahl Paare Anzahl Paare Beste Platzierung
gesamt Sachsens Sachsens
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2000 162 14 9.
2001 159 16 7.
2002 161 12 8.
2003 158 10 10.
2004 139 10 7.
2005 123 13 7.
2006 112 11 6.
2007 107 11 5.
2008 127 15 4.
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Die Vorrunde wurde mit 103 Paaren in 12 Gruppen bestritten. Hier brauchten noch nicht alle Sachsen aufgrund der Sternchenregelung tanzen. Schade, dass ein sympathisches Paar unseres Landes den Sprung in die 1. Zwischenrunde nicht schaffte, alle anderen blieben noch im Rennen. Nach der 1. Zwischenrunde (mit 84 Paaren in 10 Gruppen) hatten sich 46 Paare für die 2. Zwischenrunde qualifiziert, in der immerhin noch 9 sächsische Paare im Rennen waren. Schade für das Paar Bahke / Sagner vom TSC Leipzig, dem als Anschlusspaar (47.-50. Platz) lediglich ein Kreuz zum Weiterkommen fehlte.
Für Sachsen sollte die 2. Zwischenrunde sehr interessant werden, zumal zwei, in der S-Klasse neue Paare mit dabei waren. Sebastian und Ingrid aus Weißwasser, im Vorjahr noch Jugend A, kamen auf Anhieb auf den 38. Platz und Markus und Jenny, gerade erst zur Landesmeisterschaft in die S aufgestiegen und mit einem 4. Platz des Deutschlandcups der A-Klasse „belastet“, wurden mit einem 40. Platz allen Erwartungen mehr als gerecht.
Martin und Elisabeth aus Leipzig, im letzten Jahr noch 54., verbesserten sich auf Platz 32. Weniger zufrieden konnten die Leipziger Daniel und Marion mit ihren 28. Platz sein, denn diesem Paar trauten wir alle den Sprung in die 24 er Gruppe zu. Die beiden Leipziger Jens und Ulrike bestachen die Wertungsrichter mit ihrer Souveränität und wurden mit einem Sprung in die „25“-Runde belohnt. Mit einem 24. Platz konnten sie sich ähnlich Martin und Elisabeth um 16 Plätze verbessern. Im Finale tanzten aus Sachsen noch der mehrfache Deutsche und zweifache Kombinationsweltmeister Christoph und Blanca. Dieses Ausnahmepaar ertanzte einen 4. Platz und verbesserte sich zum wiederholten Male. Es war eine reine Freude, sie tanzen zu sehen und der vierte Platz ist so kurz vor der Weltmeisterschaft über 10 Tänze verdient. Sicherlich wird er unserem Paar auch Auftrieb verleihen, ihren Weltmeistertitel in Berlin mit Erfolg zu verteidigen.
Über Wertungen lässt sich immer trefflich streiten und letztlich ist auch das Gesamtergebnis so etwas wie ein Tatsachenentscheid. Es soll auch gar nicht darum gehen, ob man und wer dem Deutschen Meister mit einem zweiten Platz in diesem oder jenen Tanz bedacht hat, schließlich dürfen wir uns in Deutschland über zwei .
Weltklasse-Standardpaare freuen. Aber ob eine „3“ von einem deutschen Wertungsrichter tatsächlich für Benedetto und Claudia unmittelbar vor einer Weltmeisterschaft angebracht war, wurde unmittelbar nach der Siegerehrung mehrfach verwundert diskutiert.
Wir alle erlebten eine sehr gelungene und schöne Deutsche Meisterschaft. Dem Ausrichter, dem Tanzsportzentrum Stuttgart-Feuerbach, gebührt Dank und Anerkennung für die Mühen der Ausrichtung, aber auch für das gelungene und abwechslungsreiche Showprogramm. Timo Kulczak und Mothsegetsi Mabuse begeisterten mit einer Latein-Show und Remy Kouakou mit Sarrah Montalban, Sieger des Worldcup Boogie-Woogie der GOC 2008, boten eine Show, einmal in langsamen und einmal im schnellen Tempo, die begeisterte. Der gastgebende Verein trug mit dem Auftritt seiner Brakedance-Showgruppe einen weiteren Baustein für einen eindrucksvollen Abend bei.
Der LTVS kann mit dem Ausgang und den Ergebnissen der Deutschen Meisterschaft zufrieden sein. Neun Platzierungen in der vorderen Hälfte lassen für die nächsten Meisterschaften hoffen, weil bei den Paaren noch nicht alle Leistungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und damit ihren Trainer noch viele Möglichkeiten zur weiteren Leistungsentfaltung ihrer Schützlinge geboten werden.
Die Platzierungen der Sachsen und ihre Leistungsentwicklung auf einem Blick:
2008 2007 2006
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4. Christoph Kies – Blanca Ribas Turon TSC Excelsior Dresden 5. 6.
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24.-25. Jens Kaiser – Ulrike Schulz TC Rot-Weiß Leipzig 40.-41. ---
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28.-29. Daniel Wellhöfer – Marion Hopf STK Impuls Leipzig 24. 25.
32.-34. Martin Herrmann – Elisabeth Wiedenbruch STK Impuls Leipzig 47.-48. 54.-57.
38.-39. Sebastian Lucke – Ingrid Altmann TSC Kristall Weißwasser 38.-39. ---
40. Markus Ziebegk – Jenny Müller TSC Excelsior Dresden --- ---
41.-42. Patrick Misgalski – Jenny Kampfrath STK Impuls Leipzig --- ---
43. Marcel Kunitzsch – Elisa Seifert TC Rot-Weiß Leipzig 42.-46. 58.
44.-45. Thomas Grusser – Melanie Taubold TSC Excelsior Dresden --- ---
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47.-50. Sandro-Pascal Bahke – Jeannine Sagner TSC Leipzig --- ---
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