Wieder ist ein Jahr vergangen und wieder treffen sich Tanzsportpaare aus verschiedenen deutschen Bundesländern und aus der Tschechischen Republik zum fairen Wettstreit in den Standard- und in den lateinamerikanischen Tänzen. Das, was sich die Organisatoren, Veranstalter und Ausrichter erträumten, als sie das Wagnis eingingen, hier in Friedersdorf am Rande einer damals noch vom Braunkohlenbergbau und Chemieindustrie gebeutelten Landschaft, ein Tanzturnier zu etablieren und es möglichst zur jährlichen Tradition werden zu lassen, ist Wirklichkeit geworden. Tiefe Tagebaulöcher wandelten sich in eine wunderbare Seen- und Erholungslandschaft und die Schlote der neu angesiedelten Chemieunternehmen verpesten nicht mehr die Luft. Die bescheidenen Anfänge der Turnierserie wuchsen inzwischen zu einer Veranstaltung mit Rang und Namen heran. Nirgendwo im weiten Umfeld sind A-Klassenturniere so gut besetzt wie hier in Friedersdorf. Es gibt viele Orte mit gleichen Namen in Deutschland, aber nur ein Friedersdorf, das mit einem Tanzsportevent verbunden ist. Viele haben an den Veränderungen in der Region Bitterfeld ihren Anteil, am Wachsen und Gedeihen des Bernsteintanzturnieres, das wir am 22. November 2008 in der 14. Auflage erlebten, sind es neben den Sponsoren besonders der Initiativkreis Bitterfeld – Wolfen, der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die Gemeinde Friedersdorf, denen es zu danken gilt. Dank dem Ausrichter, dem 1. TSC Grün-Gold Leipzig 1947, besonders Herrn Dieter Bauerschäfer. Dank auch den Landestanzsportverbänden Sachsen und Sachsen-Anhalt, die durch ihre Landessportwarte diese Turnierserie wie immer unterstützten.
Einen Wermutstropfen fiel in die Endphase der Vorbereitungen: Es standen aus unterschiedlichen Gründen für die Ausrichter weniger Finanzmittel zur Auszahlung als geplant zur Verfügung und ein Defizit schien sich anzubahnen, so dass letztlich von der Meldefrist (10 Tage vor Turniertermin) Gebrauch gemacht werden musste und am Montagabend vor dem Turniersamstag ein Stop ausgesprochen wurde. Das bedeutet besonders für unsere tschechischen Tanzsportfreunde auf ihren geplanten Start zu verzichten, da ihre Meldung an diesem Tage leider noch nicht vorlag. Waren zum Beispiel im vergangenem Jahr noch 15 Standardpaare (davon 7 aus Tschechien) und 19 Lateinpaare (davon 13 aus Tschechien) am Start, so waren es in diesem Jahr lediglich 11(1) Standardpaare bzw. 11 (2) Lateiner. Sicherlich immer noch, an den heute üblichen Teilnehmerzahlen gemessen, ein beachtliches Starterfeld, das sich aber leider diesmal nicht in die gewohnten Friedersdorfer Größenordnung einordnen kann. Souverän meisterte der Turnierleiter Dr. Horst Galle diese Situation und fügte in beiden Disziplinen nach der Vorrunde kurz entschlossen eine Zwischenrunde ein und konnte damit ganz unauffällig das Defizit gegenüber den Vorjahren kaschieren.
Den Besuchern wurde neben einem sehr beachtlichen tanzsportlichen Niveau auch vom überregional erfolgreichen (Europameister der Jahre 2006 und 2007) Wolfener Ballett-Ensemble, das mit einer Girlreihe nach der Melodie „One“ aus dem Musical „A Chorus line“ das Balltunier eröffnete, weitere tänzerische Perlen geboten. Den Besuchern gefiel dieser Mix tänzerischer Kost, denn es gibt viel zu wenige abendliche Ballveranstaltungen, wo neben der gebotenen Show ihnen selbst auch ausreichende Gelegenheit zum tanzen geboten wurde. Wenn dazu alles nach Live-Musik geschieht wie hier, bleibt der Abend für die meisten ein Erlebnis. Ohne Pause sorgte die Andreas-Lorenz-Showband aus Gera mit zündender Ballmusik und Turnierbegleitung für den musikalischen Teil des Festmenüs. Diese Band war für das Bernsteinturnier, das seit dem ersten Turnier im Jahre 1995 stets mit Tanzorchestern durchgeführt wird, eine Neuentdeckung und eine Bereicherung. Das, was anderswo seines gleichen sucht, ist hier auch seit Jahren an der Tagesordnung: Eine mit dem Eintrittspreis abgegoltene kulinarische Versorgung (kaltes und warmes Buffet bis Mitternacht und alle Getränke inklusiv).
Auch den Paaren gefiel es, bekamen sie doch alle einen Fahrtkostenzuschuss und es lockten außerdem noch Trainingskostenzuschüsse für den 1. bis 3. Platz. Und von sieben Wertungsrichtern werden sie auch nicht überall bewertet. Eigentlich überflüssig, aber die vom Turnierleiter charmant an das Publikum gerichtete Fragen: Möchten Sie im Jahre 2009 ein weiteres Bernsteintanzturnier? Wollen Sie weiterhin Livemusik? wurde mit starken und anhaltenden Beifall beantwortet und erstickten jeden Gedanken an Änderungen bereits im Ansatz.
Veranstaltungen dieser Art sind Werbungen für unseren Sport. Die immer stärker in Deutschland sich verbreitenden Turniere am laufenden Band, während Großveranstaltungen im Sporthallenstil, können es nicht sein, die fehlende persönliche Note und die durch Pfeifen und pubertierendem Gekreisch aufgeheizte Atmosphäre schrecken ab, zumindest das mittelalte und ältere Publikum, das durch unsere alternde Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt. Hier gegenzuhalten und zu zeigen, dass es auch anders geht, ist und bleibt Anliegen der Bernsteinturniere. Leider gibt es auch namhafte Tanzsportfunktionäre, die gern Turniere dieser Art als „Dorfturniere“ abqualifizieren und damit wenig für einen Start motivieren. Friedersdorf ist zwar ein Dorf, weiß aber, was es will. Man freut sich bereits heute auf das 15., gleich, ob es als Dorfturnier eingestuft wird oder auch nicht. Veranstalter und Ausrichter wollen künftig auch einen günstigeren Veranstaltungstermin als bisher Ende November finden und sehen bereits jetzt den 10. Oktober 2009 vor.
Die Ergebnisse:
Standard
1. Tom Uhlig – Lisa Uhlig TSK Residenz Dresden
2. Christian Spiekermann – Carolin Queck TSC Blau-Weiß Stralsund
3. Oliver Klepsche – Jenniver Woska TSC Blau-Gold Burg
4. Bohuslav Benysek – Veronika Vasickova ATK Standard Cheb
5. David Heiland – Kristin Spörl TSK Residenz Dresden
6. Oliver Stachetzki – Tamara Teichmann Ahorn-Club TSA im PSV Berlin
Latein
1. Christian Platz – Anja Pritzsche TSA des TTC Allround Rostock
2. Philipp Schulz – Kathy Stefanowicz 1. TSC Wernigerode
3. Sandro-Pascal Bahke – Jeannine Sagner TSC Leipzig
4. Franz-Axel Zähnsdorf –Lina da Silva Ferreira TC Zerbst
5. Sebastian Meyer – Susann Jehnichen TSZ Borna-Neukirchen
6. Pavel Thon – Jana Petrnouskova K-Studio Kladno